Genetische Faktoren und ihre Auswirkungen auf die Lebenserwartung
Wie stark beeinflussen unsere Gene die Dauer unseres Lebens? Diese Frage beschäftigt die Altersforschung seit geraumer Zeit. Eine aktuelle Studie, die im Fachjournal „Science“ veröffentlicht wurde, legt nahe, dass der genetische Einfluss auf die menschliche Lebensspanne erheblich größer ist als bisher angenommen.
Ein Forscherteam des Weizmann-Instituts in Israel und weiterer Institutionen hat herausgefunden, dass die genetische Veranlagung zur Lebenserwartung bei etwa 55 Prozent liegt. Dies steht im Gegensatz zu früheren Schätzungen, die den erblichen Anteil auf lediglich 20 bis 25 Prozent bezifferten.
Überarbeitete Schätzungen und Methodik
Durch mathematische Modellierungen gelangte das Team zu dem Ergebnis, dass der genetische Einfluss auf die menschliche Lebenserwartung bei rund 55 Prozent liegt.
Überprüfung der Methodik und zukünftige Forschung
Die Forscher argumentieren, dass frühere Studien die Bedeutung externer Todesursachen möglicherweise überschätzt oder nicht korrekt herausgerechnet haben, was zu einer systematischen Unterschätzung des erblichen Anteils führte. Die neuen Berechnungen stimmen zudem mit Schätzungen für andere Spezies, wie Mäusen, sowie mit der Erblichkeit anderer Persönlichkeitsmerkmale überein.
Stephan Getzmann vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund hält die Methodik der Studie für schlüssig und gut begründet. Er bezeichnet die Idee, die extrinsische Mortalität herauszurechnen, als sehr raffiniert. Auch andere Altersforscher, wie Steve Hoffmann und Chiara Herzog, bewerten die Methodik als geeignet, um den erblichen Anteil an der Lebenserwartung zu ermitteln.
Gesunde Lebensweise bleibt entscheidend
Die Ergebnisse der Studie sollten jedoch nicht dazu führen, dass man sich auf die Gene verlässt und ungesunde Lebensweisen pflegt. Getzmann betont, dass jeder Einzelne einen erheblichen Einfluss auf seine Fitness im Alter hat. Ziel sollte es sein, ein resilientes Altern zu fördern und die Phase des Siechtums zu minimieren, was vor allem durch eine gesunde Lebensweise und Umweltfaktoren erreicht werden kann. Hoffmann fügt hinzu, dass die Ergebnisse ihn nicht dazu bewegen werden, ungesunde Gewohnheiten wie das Rauchen wieder aufzunehmen.
Ausblick auf zukünftige Forschungen
Die Studienautoren betonen, dass es nun wichtig sei, die genetischen Varianten zu identifizieren, die der Lebenserwartung zugrunde liegen. Dies könnte der Wissenschaft helfen, die grundlegenden Mechanismen des menschlichen Alterns besser zu verstehen.
Bildquelle: OTFW, Berlin via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)