„Wir können die Landwirtschaft bald dichtmachen“, warnt die Agrarindustrie.
In Russland sind die Auswirkungen einer massiven Kraftstoffkrise spürbar, die bereits 25 Regionen betrifft. Autofahrer stehen an Tankstellen oft vor leeren Zapfsäulen, während die ukrainischen Streitkräfte gezielt russische Öl-Infrastruktur angreifen. Die Situation hat sich in den letzten Monaten dramatisch verschärft, was zu einem Mangel an Benzin und Diesel führt.
Engpässe in Großstädten und ländlichen Regionen
Die Krise macht auch vor großen Städten wie Moskau und St. Petersburg nicht halt. Berichten zufolge sind auch die zentralrussischen Oblasten Rjasan und Orjol betroffen. Im Nordwesten des Landes, in Pskow und Nowgorod, sowie in Karelien an der finnischen Grenze und Murmansk am Polarkreis sind die Verkaufsbeschränkungen spürbar. Zudem wird Kraftstoff in den Grenzregionen Kursk, Belgorod und Woronesch knapp, ebenso in weit entfernten Gebieten wie Krasnojarsk und Tomsk in Sibirien sowie Kamtschatka im Fernen Osten.
Schwere Folgen für die Landwirtschaft
Die Versorgungslage ist alarmierend. In Irkutsk, einer Stadt in Sibirien, äußerte ein Abgeordneter der Kremlpartei Einiges Russland, dass die Landwirtschaft in ernsthafte Schwierigkeiten geraten könnte, wenn nicht umgehend Diesel zur Verfügung steht. Die Probleme sind nicht auf Sibirien beschränkt; auch im Süden Russlands kämpfen Landwirte mit der Treibstoffknappheit. Diese Situation könnte sich weiter zuspitzen, wie die aktuellen Entwicklungen zu den Heizölpreisen zeigen.
„Schlimmste Treibstoffkrise seit 21 Jahren“
Die Ursachen für die Krise sind vielfältig, jedoch wird die Hauptverantwortung den ukrainischen Streitkräften zugeschrieben, die seit Monaten gezielt Knotenpunkte der russischen Ölindustrie angreifen. Laut einem Bericht des US-Wirtschaftsportals Bloomberg wurden allein im Mai acht der zehn größten Raffinerien in Russland beschädigt. Diese Angriffe führten dazu, dass viele Anlagen ihre Produktion oder Lieferungen einstellen mussten, was die Krise weiter verschärfte.
Rationierungen und Verkaufsbeschränkungen
Inzwischen haben 25 russische Regionen den Verkauf von Diesel und Benzin eingeschränkt. Schätzungen zufolge sind ein Drittel bis die Hälfte der russischen Bevölkerung von diesen Rationierungen betroffen.
„Ein Drittel von dem, was Russland produzieren und raffinieren kann, ist weg“, sagt der bekannte russische Wirtschaftsexperte Igor Lipsiz.
Die staatlichen Medien in Russland berichten nicht über die Krise, doch die Realität lässt sich nicht länger ignorieren. In der Industriestadt Samara, 1000 Kilometer südöstlich von Moskau, berichten Einwohner, dass an vielen Tankstellen der Tatneft-Kette kein Benzin mehr verfügbar ist. Wo es noch Kraftstoff gibt, sind die Verkaufsmenge auf 30 Liter Benzin oder 60 Liter Diesel pro Kunde begrenzt.
Chaos auf der Krim
Die Situation auf der Krim ist besonders dramatisch. Dort haben die Besatzungsbehörden bereits Ende Mai den Benzinverkauf eingeschränkt. An den Tankstellen kam es zu chaotischen Szenen, da Autofahrer versuchten, so viel Kraftstoff wie möglich zu tanken, bevor die Vorräte erschöpft waren. Um die Situation zu regulieren, wurde ein Coupon-System eingeführt, das jedoch nicht den gewünschten Erfolg brachte.
Tourismus leidet unter der Krise
Die Kraftstoffkrise hat auch Auswirkungen auf den Tourismus. Die Krim, ein beliebtes Urlaubsziel für Russen, wird voraussichtlich in diesem Jahr drei bis vier Millionen Touristen verlieren. Branchenexperten berichten von zahlreichen Stornierungen und rückläufigen Buchungszahlen, was teilweise auf die fehlende Verfügbarkeit von Kraftstoff zurückzuführen ist.
Keine Lösung in Sicht
Eine Lösung für die Krise scheint derzeit nicht in Aussicht. Der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Nowak räumte auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg ein, dass die russische Ölförderung momentan niedriger ausfällt als üblich. Er führte dies jedoch auf „außerplanmäßige Wartungen“ mehrerer Raffinerien zurück und nicht auf die Angriffe der Ukraine. Ein neuer Stab im russischen Energieministerium wurde eingerichtet, um die stabile Versorgung des Landes sicherzustellen, doch ob dies ausreicht, bleibt fraglich. Zudem gibt es Berichte über eine Rückrufaktion bei Mercedes-Benz, die zusätzliche Unsicherheiten in der Automobilbranche mit sich bringen könnte.
Fest steht, dass die Ukraine es erneut geschafft hat, in Russland eine Benzinknappheit auszulösen, und die Probleme beginnen in diesem Jahr deutlich früher als im Vorjahr.
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Quellen: n-tv