In Kempten wurde ein wegweisendes Pilotprojekt initiiert, bei dem eine Holzfassade unter Verwendung von Materialien vom Wertstoffhof erstellt wird. Dieses Vorhaben repräsentiert das zirkuläre Bauen, das in Deutschland bislang wenig verbreitet ist. Zukünftig könnte sogar das Zeltdach der Olympiaanlage in München für ähnliche Wiederverwendungsprojekte genutzt werden.
Die Bauwirtschaft trägt in Deutschland maßgeblich zur Müllproduktion bei und verursacht etwa die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens. In Bayern beläuft sich die Menge an Abfall, die jährlich auf Baustellen entsteht, auf rund 50 Millionen Tonnen. Ein großer Teil dieses Abfalls könnte durch geeignete Wiederverwendungsstrategien erneut genutzt werden, wenn bestehende Barrieren abgebaut werden.
Supertecture: Pionier im zirkulären Bauen
Kaufbeuren gilt als Mittelpunkt des zirkulären Bauens, insbesondere durch die Präsenz der Organisation Supertecture. Diese Gruppe von Architekten setzt sich für eine verstärkte Kreislaufwirtschaft in der Bauindustrie ein. Nach erfolgreichen Projekten in Nepal und Afrika, wo sie Schulen und Kindergärten errichteten, startet Supertecture nun ein neues Vorhaben im Allgäu. Herzstück dieses Projekts ist die Umgestaltung der Fassade des Verwaltungsgebäudes des Zweckverbands für Abfallwirtschaft (ZAK) in Kempten.
Wiederverwendung statt Recycling
Das Prinzip des zirkulären Bauens unterscheidet sich signifikant vom herkömmlichen Recyclingansatz. Während Recycling häufig bedeutet, dass Materialien in minderwertiger Form wiederverwendet werden, verfolgt das zirkuläre Bauen das Ziel, Bauteile in ihrem ursprünglichen Zustand zu bewahren. Trotz der rechtlichen Hürden, die den Bau mit Abfall verbieten, haben Supertecture und das Team des ZAK diese Herausforderung angenommen. Für die Fassade des ZAK-Gebäudes kamen unbehandelte Bretter aus dem Altholz-Container des Wertstoffhofs zum Einsatz. Diese Holzstücke wurden weder imprägniert noch lackiert, um Ressourcen zu schonen und den Charakter des Materials zu erhalten. Lediglich die Abmessungen wurden angepasst, und um die Haltbarkeit zu erhöhen, wurden Tropfkanten hinzugefügt.
Pionierprojekte im zirkulären Bauen
Im Jahr 2022 erfassten Studierende der Hochschule Augsburg vor dem Abriss der alten Stadtbücherei Bauelemente wie Waschbecken, Holzfenster, Türen und Zäune. Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Concular, einem Unternehmen, das sich auf zirkuläres Bauen spezialisiert hat, durchgeführt. Die gesammelten Bauteile wurden anschließend zum Verkauf angeboten.
In München betreibt Sebastian Blanz das Baustofflager Treibgut, das vor allem Künstler und Kultureinrichtungen beliefert. In letzter Zeit erhält er jedoch zunehmend Anfragen aus anderen Bereichen, die er aufgrund seiner begrenzten Lagerkapazitäten nicht bedienen kann. So wurde er unter anderem gefragt, ob er das alte Zeltdach der Olympiaanlage übernehmen möchte, das erneuert wird und aus etwa 50.000 Teilen besteht. Auch von einem abgerissenen Bad in Forstenried könnten Materialien zur Verfügung stehen.
Herausforderungen beim Tragwerk
Die Wiederverwendung von Elementen wie Trennwänden, Waschbecken und Fassadenholz ist relativ unproblematisch. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch in der Wiederverwertung von Tragwerken, da in diesem Bereich strenge Vorschriften in Bezug auf Brandschutz und Standsicherheit gelten. An der Technischen Universität München laufen derzeit mehrere Forschungsprojekte, die sich diesen Herausforderungen widmen.
Der Architekt Till Lill von Supertecture möchte jedoch nicht auf die Ergebnisse dieser Forschungsprojekte warten. Gemeinsam mit dem ZAK plant er die Errichtung eines neuen Wertstoffhofs aus wiederverwendeten Bauteilen. Dabei betont er die Bedeutung, solche Projekte aktiv in die Tat umzusetzen. Möglicherweise wird der neue Wertstoffhof in Kempten sogar Teile des Münchner Olympia-Dachs integrieren.
Quellen: tagesschau, BR
Bildquelle: Bildquelle: Jason Leung auf Unsplash
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.