„Ausgerechnet zu Beginn der Sommerferien zwingt Alexander Dobrindt Familien in Autos in lange Staus und Reisende in Zügen in lange Wartezeiten“, kritisierte Marcel Emmerich, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag.
Grenzkontrollen belasten den Reiseverkehr
Die seit 2024 an allen deutschen Landesgrenzen eingeführten Kontrollen führen in der Hauptreisezeit zu erheblichen Verzögerungen. Während einige Bundesländer bereits in die Sommerferien gestartet sind, stehen andere wie Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein kurz davor. Urlauber müssen auch bei der Ausreise aus Deutschland mit längeren Wartezeiten rechnen, da Länder wie Polen als Reaktion auf die deutschen Kontrollen ebenfalls eigene Maßnahmen ergriffen haben.
Die Bundespolizei, die für die Grenzkontrollen zuständig ist, sieht sich dabei einem wachsenden Druck ausgesetzt. Während die Polizeigewerkschaften die Situation in der Ferienzeit relativ gelassen betrachten, gibt es dennoch Bedenken hinsichtlich der Ausstattung der Einsatzkräfte. Diese äußern Unzufriedenheit über die vorhandene Ausrüstung und die damit verbundenen Arbeitsbedingungen.
Polizeigewerkschaft: Professioneller Dienst trotz mangelhafter Ausstattung
Andreas Roßkopf, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für den Bereich Bundespolizei, lobte die Professionalität seiner Kollegen: „Sie unterscheiden und erkennen aufgrund ihrer großen Erfahrung sehr schnell, ob es sich bei den durchfahrenden Personen um Urlauber, Grenzpendler aus der Region, Geschäftsreisende oder gar um Schleuser handelt.“ Dennoch warnte Roßkopf, dass die stationären Kontrollstellen nicht ausreichend ausgestattet seien. Insbesondere bei hohen Temperaturen hätten die Einsatzkräfte oft ohne Sonnenschutz arbeiten müssen, und es fehle an klimatisierten Räumen.
Manuel Ostermann, der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) für den Bereich Bundespolizei, sieht die Einsatzkräfte jedoch gut aufgestellt. Er betonte, dass ausreichend gut ausgebildete Beamte zur Verfügung stünden, um die Kontrollen im erforderlichen Umfang durchzuführen.
Tourismusbranche fordert Minimierung der Auswirkungen
Die Grenzkontrollen haben nicht nur Auswirkungen auf die Bundespolizei und die Reisenden, sondern auch auf die Tourismusindustrie in Deutschland. Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbands, warnte vor den wirtschaftlichen Risiken der Kontrollen und betonte die Notwendigkeit, die Auswirkungen auf Reisende und touristische Betriebe so gering wie möglich zu halten. „Sicherheitsmaßnahmen müssen so umgesetzt werden, dass Reisen nach Deutschland auch während der Hauptreisezeit verlässlich und unkompliziert möglich sind“, forderte er.
Politische Opposition kritisiert die Maßnahmen
Die Opposition äußert scharfe Kritik an den Grenzkontrollen. Emmerich von den Grünen stellte fest, dass die Kontrollen vermeidbare Risiken in Kauf nehmen und die Reisenden unnötig belasten. „Während Menschen bei Sommerhitze im Stau stehen, bindet der Innenminister Tausende Bundespolizisten an Schlagbäumen statt an Bahnhöfen und Flughäfen“, so Emmerich.
Die Grenzkontrollen wurden am 16. September 2024 wieder eingeführt, nachdem die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser diese Maßnahme ergriffen hatte. Ihr Nachfolger, Alexander Dobrindt (CSU), intensivierte die Kontrollen nach seinem Amtsantritt im Mai 2025 und ließ offen, wann diese enden sollen. Dobrindt verknüpft ein Ende der Kontrollen mit der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas), die im Juni in Kraft trat.
Effektivität der Kontrollen in Frage gestellt
Roßkopf von der GdP äußerte Bedenken hinsichtlich der Effektivität der Kontrollen. Er betonte, dass die Grenzkontrollen zwar ein starkes Zeichen setzen, jedoch für Schleuserorganisationen keine echte Behinderung darstellen. Diese seien in der Lage, Kontrollstellen zu erkennen und zu umgehen.
Ostermann von der DPolG fordert, die Kontrollen bis zu einer verlässlichen Umsetzung von Geas aufrechtzuerhalten. Er sieht die Maßnahmen als wesentlichen Bestandteil zur Steuerung der Migration und zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität.
Notwendigkeit moderner Ausrüstung
Die Polizeigewerkschaften fordern eine bessere Ausstattung für die Bundespolizei. Roßkopf betonte die Notwendigkeit, modernste Technik einzusetzen, um flexibel auf die Herausforderungen reagieren zu können. Dazu gehören moderne Fahndungsfahrzeuge, Bearbeitungsfahrzeuge mit Computertechnik sowie Drohnentechnik zur Überwachung unwegsamen Geländes.
Ostermann plädierte zudem für eine Ausweitung der rechtlichen Befugnisse der Bundespolizei im Inland. Dobrindt hatte die Bundespolizei angewiesen, Asylbewerber zurückzuweisen, mit Ausnahme von besonders schutzbedürftigen Personen. Diese Maßnahmen wurden jedoch von mehreren Gerichten als rechtswidrig erklärt.
Forderung nach Einhaltung der Rechtslage
Clara Bünger, innenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, kritisierte die Bundesregierung für ihre Ignoranz gegenüber den Gerichtsentscheidungen und forderte ein Ende der Grenzkontrollen. „Im Alltag betrifft das vor allem Pendler, Lieferfahrer und Menschen auf der Flucht“, sagte sie und warnte vor weiteren Staus und Behinderungen während der Urlaubszeit.
Zusätzlich gibt es Berichte über die Rückrufaktion von Mercedes-Benz wegen Antriebsproblemen bei mehreren Modellen, die ebenfalls in diesem Kontext von Bedeutung sind.
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Quellen: t-online