Das Deutschlandticket, das seit Mai 2023 für 49 Euro monatlich erhältlich ist, hat sich mittlerweile auf 63 Euro erhöht. Diese Erhöhung wurde in mehreren Schritten von Bund und Ländern beschlossen. Zukünftig sollen die Preissteigerungen jedoch nicht mehr durch politische Entscheidungen festgelegt werden, sondern anhand eines neuen Preisindex, der ab dem kommenden Jahr gelten wird. Dies wurde von den Verkehrsministern während ihrer Konferenz in Lindau am Mittwoch und Donnerstag beschlossen.
Wie hoch der Preis des Tickets im Jahr 2027 sein wird, soll spätestens Ende September 2024 bekannt gegeben werden, erklärte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), der derzeitige Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz. Er äußerte die Hoffnung, dass es keine zweistelligen prozentualen Erhöhungen geben werde. Auch die saarländische Verkehrsministerin Petra Berg (SPD) betonte, dass der Preis weiterhin „attraktiv“ bleiben solle.
Komplexe Berechnung des Ticketpreises
Die künftige Berechnung des Ticketpreises erfolgt nach einer komplexen Formel. Ein Kostenindex wird dabei Personal-, Energie- und allgemeine Kosten berücksichtigen. Zusätzlich wird ein Dämpfungsfaktor einfließen, der höhere Verkaufszahlen beim Ticket berücksichtigen soll. Berg wies darauf hin, dass beim Verkauf von Jobtickets noch „Luft nach oben“ sei. Theoretisch könnte es auch sein, dass der Preis des Tickets zu einem Jahreswechsel unverändert bleibt.
Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) äußerte scharfe Kritik an dieser Regelung.
„Während steigende Spritpreise sofort politische Debatten über Entlastung auslösen, werden hohe Preissteigerungen im öffentlichen Verkehr einfach hingenommen“,
sagte die VCD-Vorsitzende Christiane Rohleder. Sie betonte, dass die hohen Preise für Busse und Bahnen vor allem die Menschen treffen, die sich kein Auto leisten können. Angesichts der hohen Energiekosten infolge des Irankriegs erwarteten die Menschen Entlastungen. In diesem Zusammenhang ist es interessant zu beobachten, dass die Heizölpreise ebenfalls fallen.
Finanzierung des Deutschlandtickets
Das Deutschlandticket hat mehr als 14 Millionen Nutzer und ermöglicht bundesweite Fahrten im Regional- und Nahverkehr. Es hat die zuvor bestehenden Tarifstrukturen erheblich vereinfacht. Da das Ticket günstiger ist als die bisherigen regionalen Abonnements, verlieren die Verkehrsunternehmen Einnahmen. Um dies auszugleichen, stellen Bund und Länder jährlich jeweils 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Verkehrsminister hatten sich im September darauf geeinigt, diese Zuschüsse bis 2030 konstant zu halten. Bernreiter stellte jedoch klar, dass es hierfür keine Indexierung geben werde, was bedeutet, dass die Fahrgäste die Mehrkosten selbst tragen müssen.
Europäisches Urteil und seine Folgen
Obwohl das Deutschlandticket auf absehbare Zeit gesichert ist, steht das Nahverkehrsangebot, also das, was Fahrgäste für das Ticket erhalten, in Frage. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied in der vergangenen Woche, dass die Berechnung der sogenannten Trassenpreise gegen EU-Vorgaben verstößt. Diese Schienenmaut müssen Verkehrsunternehmen an die Infrastruktursparte der Deutschen Bahn zahlen, wenn sie das deutsche Schienennetz nutzen.
Bisher wurde der Regional- und Nahverkehr begünstigt, was künftig nicht mehr möglich sein wird. Die Länder, die den Regional- und Nahverkehr auf der Schiene bestellen, befürchten eine enorme Mehrbelastung. In diesem Zusammenhang fordern die Länder auch mehr Regionalisierungsmittel, die der Bund für die Finanzierung des Nahverkehrs auf der Schiene bereitstellt. Aus Sicht der Länder sind bis 2031 zusätzlich 14 Milliarden Euro notwendig, während die derzeitigen Mittel rund 12 Milliarden Euro pro Jahr betragen und jährlich um drei Prozent erhöht werden.
Die Minister haben in Lindau jedoch noch keine Entscheidung zu diesem Thema getroffen. Das Ziel sei es, bis zum Fahrplanwechsel 2027 ein neues Trassenpreissystem zu erarbeiten, erklärte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, der derzeit an diesem Thema arbeitet. Zu den Forderungen nach höheren Regionalisierungsmitteln wollte er sich noch nicht äußern.
Führerscheinreform: Neue Regelungen ab 2027
Das Ministerium von Schnieder arbeitet zudem an einer Führerscheinreform, die darauf abzielt, die Fahrausbildung günstiger zu gestalten. Hierbei erhielt er Unterstützung von den Landesministern, obwohl es Skepsis an einzelnen Punkten wie der Laienausbildung gibt. Sein Ziel ist es, noch in diesem Jahr das Gesetzgebungsverfahren abzuschließen, sodass eine Neuregelung ab dem 1. Januar 2027 in Kraft treten kann.
Im Rahmen der Führerscheinreform soll es ein mehrjähriges Pilotprojekt geben, das es Eltern und Angehörigen von Fahrschülern ermöglicht, einen Teil der Fahrausbildung zu übernehmen. Dieses Modell der Laienausbildung existiert bereits in Österreich.
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