Das Ergebnis des Referendums am Sonntag überraschte mit einer deutlichen Mehrheit, nachdem ein enges Rennen zwischen Befürwortern und Gegnern erwartet worden war. Noch vor Abschluss der Auszählung war klar, dass sich die Mehrheit gegen die Bewerbung ausgesprochen hat.
Ergebnisse im Detail
- Ja-Stimmen: 45,1 Prozent (293.819 Stimmen)
- Nein-Stimmen: 54,9 Prozent (357.911 Stimmen)
- Wahlbeteiligung: 49,5 Prozent
Reaktionen auf das Votum
Die Reaktion von Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) fiel enttäuscht aus. Er erklärte:
„Das Votum ist für den Senat verbindlich. Ich habe dem Präsidenten des DOSB, Thomas Weikert, sowie dem Vertreter Deutschlands beim IOC, Michael Mronz, soeben mitgeteilt, dass Hamburg seine Olympia-Bewerbung zurückzieht. Auch ich bedaure das Votum sehr.“
Laura Ludwig, die Beachvolleyball-Olympiasiegerin von Rio 2016, äußerte sich ebenfalls:
„Es verwundert mich. Ich bin extrem positiv hierhergefahren. Aber wir werden es akzeptieren müssen. Und wie es auch im Sport war: Niederlagen müssen wir akzeptieren.“
Freude bei den Gegnern
Bei den Gegnern der Olympia-Bewerbung herrschte Freude über das Ergebnis. Eckart Maudrich, Sprecher der Initiative „NOlympia“, kommentierte:
„Dieses Ergebnis zeigt: Die Hamburgerinnen und Hamburger lieben ihre Stadt und lassen sich nicht von einer Million Euro teuren Werbekampagne hinter die Fichte führen.“
Die Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger von Hamburg bedeutet, dass die Stadt aus dem Bewerbungsprozess ausscheidet und nicht wie geplant bis zum 4. Juni ihr finales Konzept beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einreichen wird.
Frustration beim DOSB
Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des DOSB, äußerte sich frustriert über das Ergebnis:
„Für uns ist das ein bisschen frustrierend nach 19 positiven Ergebnissen in anderen Städten, dass Hamburg demokratisch gesagt hat: Nein, bei uns in der Stadt wollen wir das nicht. Aber das gehört dazu. Das ist auch Teil unseres transparenten Verfahrens.“
Zukunft der Olympiabewerbung
Über den deutschen Bewerber für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 wird am 26. September bei der DOSB-Mitgliederversammlung entschieden. Die verbleibenden Kandidaten sind München, Berlin und die Region Rhein-Ruhr.
Déjà vu für Hamburg
Für Hamburg stellt das Abstimmungsergebnis eine Wiederholung dar: Bereits 2015 war die Stadt im Wettbewerb mit Berlin als möglicher Bewerber ausgewählt worden, doch auch damals gab es ein Nein beim Referendum, was die gesamte deutsche Bewerbung zum Scheitern brachte.
Folgen für Kiel
Das Ergebnis hat auch Auswirkungen auf Kiel, das im Hamburger Konzept als Segelstandort sowie Austragungsort für Rugby und Handball vorgesehen war. In Kiel stimmte am 19. April eine deutliche Mehrheit von 63,5 Prozent für eine Bewerbung.
Obwohl Kiel aus dem Rennen um die Olympiabewerbung Hamburgs ausgeschieden ist, bleibt die Stadt im Spiel. Während Berlin Rostock als Segelstandort gewählt hat, tendieren München und die Region Rhein-Ruhr zu Kiel. Die endgültige Entscheidung über den Segelstandort muss jedoch erst am 26. September dem DOSB vorgelegt werden.
Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU) betonte:
„Unser Ziel bleibt ganz klar: Wir wollen die Spiele mit dem Segelstandort und weiteren Sportarten zu uns nach Schleswig-Holstein holen. Und dafür werben und arbeiten wir gemeinsam mit der Stadt Kiel mit ganzer Kraft.“
Der DOSB rechnet nicht vor 2027 mit einer Vergabe der Sommerspiele 2036 durch das IOC. Mehr als 60 Prozent der Kieler Bürger haben sich für eine Bewerbung mit einem Hauptaustragungsort ausgesprochen.
Quellen: NDR
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