„Ich suche nach einer Frau, die nicht vom Feminismus beeinflusst ist“,
Die Flucht vor Gleichberechtigung
Die Passport Bros präsentieren sich als Männer, die das westliche System durchschaut haben. In sozialen Medien und speziellen Foren diskutieren sie, warum ihrer Meinung nach „westliche Frauen“ das Problem sind. Sie argumentieren, dass diese Frauen zu selbstbewusst und emanzipiert seien, was ihrer Vorstellung von einer Beziehung widerspricht.
Was sie als Kritik am Feminismus darstellen, ist in Wirklichkeit die Weigerung, Frauen als gleichwertige Partner zu akzeptieren. Da viele Frauen in ihren Heimatländern kein Interesse an solchen Männern zeigen, entscheiden sich die Passport Bros, in andere Länder zu reisen, um dort eine Frau zu finden, die ihren Vorstellungen entspricht.
Frauen als Objekte der Begierde
Die Reisen dieser Männer nach Städten wie Cartagena, Manila oder Pattaya sind nicht von kulturellem Interesse geprägt, sondern vielmehr von einem wirtschaftlichen Kalkül. Sie nutzen die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen ihrem Heimatland und dem Zielland aus, um in ihren Beziehungen Macht zu gewinnen. Der hohe Wert ihrer Währung macht sie in diesen Ländern attraktiv, was zu einem Ungleichgewicht in den Beziehungen führt.
Die Passport Bros selbst thematisieren das Machtgefälle, das sie in ihren Beziehungen schaffen, nicht. Sie sind nicht an einer gleichberechtigten Partnerschaft interessiert, sondern an einer Beziehung, die von ihrer wirtschaftlichen Überlegenheit geprägt ist. Frauen aus diesen Regionen werden oft als „traditionell“ und „unkompliziert“ beschrieben, was ihre eigenen Ansprüche und Meinungen negiert.
Feminismus als Missverständnis
Ein weiterer Aspekt, der oft übersehen wird, ist die Tatsache, dass viele der Länder, in die Passport Bros reisen, über eine lebendige feministische Geschichte verfügen. So wurde in Mexiko 2024 mit Claudia Sheinbaum die erste Präsidentin gewählt. Die Vorstellung, dass Frauen in diesen Ländern keine eigenen Ansprüche haben, ist nicht nur falsch, sondern auch respektlos.
Verbindung zur Incel-Kultur
Einige Beobachter sehen eine Verbindung zwischen der Passport-Bros-Bewegung und der Incel-Kultur, einer Subkultur von Männern, die sich als unfreiwillig zölibatär beschreiben und ein tief misogynes Weltbild vertreten. In beiden Fällen werden Frauen nicht als Individuen mit eigenen Wünschen und Grenzen wahrgenommen, sondern als Objekte, auf die ein Anspruch besteht.
Feminismus als Verbündeter
Die Ironie der Situation ist, dass die Passport Bros vor dem Feminismus fliehen, als wäre er ihr Feind. Dabei könnte er ihr Verbündeter sein, wenn sie ihn richtig verstehen würden. Studien zeigen, dass Männer in gleichberechtigten Partnerschaften oft eine höhere Zufriedenheit erleben. Männer, die sich von starren Geschlechterrollen befreien, leben gesünder und sind emotional stabiler.
Der Geschlechterforscher Jens van Tricht betont in seinem Buch „Warum Feminismus gut für Männer ist“, dass Männlichkeit und Weiblichkeit keine natürlichen Gegensätze sind, sondern gesellschaftlich konstruierte Kategorien. Männer, die sich in diesen Kategorien gefangen fühlen, könnten durch den Feminismus eine neue Perspektive gewinnen.
Ein Aufruf zur Veränderung
Die Passport Bros suchen Kontrolle und bezeichnen dies als Freiheit. Was sie tatsächlich anstreben – eine echte, gleichwertige Beziehung – könnten sie eher erreichen, wenn sie aufhören, Frauen als Problem zu betrachten. Die Passport Bros sind kein Lifestyle-Trend, sondern ein Symptom einer Männlichkeit, die mit Gleichberechtigung nicht umgehen kann und stattdessen nach geografischen und ökonomischen Auswegen sucht.
Diese Haltung ist nicht mutig oder klug, sondern stellt die älteste Form von Kontrolle und Machtausübung dar, diesmal jedoch mit Reisepass und Flugticket.
Quellen: watson