Steigende Gefahr durch Tigermücken: Kommt das Chikungunya-Virus nach Deutschland?
01.06.2026, 10:31 Uhr
Eine neue Art von Stechmücken breitet sich zunehmend in Europa aus, was das Risiko für eine Infektionskrankheit erhöht, die bislang vorwiegend in südlichen Ländern vorkommt. Besonders die Widerstandsfähigkeit der Asiatischen Tigermücke könnte eine Ausbreitung auch in Deutschland begünstigen.
Im Kontext des Klimawandels könnte Mitteleuropa bald zu einem Übertragungsgebiet für das Chikungunya-Virus werden. Dies geht aus einer Studie hervor, die die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke im Zuge der Globalisierung und der Erderwärmung untersucht. Neben Europa könnten auch der Osten Nordamerikas, China und Japan von der Verbreitung der Infektionskrankheit betroffen sein, so die Forscher um Ye Xu von der Zhejiang Chinese Medical University in Hangzhou in einer Veröffentlichung im Fachjournal „Frontiers in Cellular and Infection Microbiology“.
Überträger des Virus und ihre Ausbreitung
Die Hauptüberträger des Chikungunya-Virus sind die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Letztere breitet sich seit Jahren in Europa aus und wird zunehmend auch in Deutschland gesichtet. Die Tigermücke kann Eier ablegen, die Temperaturen bis zu minus 10 Grad Celsius überstehen. „In unserer Studie spielte die Asiatische Tigermücke eine besonders wichtige Rolle und erklärte über 70 Prozent der prognostizierten Virusverbreitung“, wird Co-Autor Yang Wu vom Customs Technology Center in Guangzhou zitiert.
Die Studie basiert auf Klimasimulationen bis zum Jahr 2100. Derzeit gelten 139 Länder und Regionen als Risikogebiete für das Chikungunya-Virus, was etwa 21 Prozent der weltweiten Landfläche entspricht. „Unsere Klimamodelle zeigen jedoch, dass sich das Virus weiter nach Norden in gemäßigte Regionen ausbreiten wird, insbesondere nach Nordost-Nordamerika, Mitteleuropa und Ostasien“, erklärt Xu.
Vorbereitung der Gesundheitssysteme empfohlen
Die Simulationen zeigen für alle Klimaszenarien ein zunehmendes Risiko für die Übertragung des Chikungunya-Virus in Teilen Mitteleuropas bereits bis 2040. In den folgenden Jahrzehnten könnten immer mehr Regionen betroffen sein, auch höher gelegene. Neben Deutschland werden auch Großbritannien und Irland von der Ausbreitung betroffen sein.
„Die Bevölkerung muss nicht in Panik geraten, aber die Gesundheitssysteme sollten sich frühzeitig vorbereiten“, betont Xu. Er empfiehlt das Monitoring von Aedes-Mücken und die Schulung von Ärzten, damit sie Chikungunya-Fieber schnell erkennen können. Zudem sollten Maßnahmen zur Mückenbekämpfung verstärkt und Notfallpläne entwickelt werden. „Die Begrenzung der weiteren globalen Erwärmung und Investitionen in grundlegende Vorsorgemaßnahmen könnten die Wahrscheinlichkeit verringern, dass sich eine zukünftige Ausbreitung zu großen Ausbrüchen entwickelt“, erklärt Xu.
Symptome und bisherige Ausbrüche
Chikungunya verursacht Fieber und starke Gelenkschmerzen. Zu den weiteren häufigen Symptomen zählen Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Hautausschlag. In der Regel heilen diese Symptome innerhalb weniger Tage aus, jedoch können die Gelenkschmerzen in einigen Fällen Wochen, Monate oder sogar Jahre anhalten. Tödliche Verläufe sind selten, das Virus ist jedoch besonders gefährlich für chronisch Kranke, Schwangere und Säuglinge. Nach einer überstandenen Chikungunya-Infektion ist man nach aktuellem Wissensstand lebenslang immun.
In den letzten Jahren gab es bereits größere Ausbrüche in Italien, Frankreich und Spanien. Im Sommer des vergangenen Jahres wurden Fälle nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze registriert. Eine Ansteckung durch Mücken in Deutschland wurde bislang nicht dokumentiert. Zudem gab es kürzlich eine Rückrufaktion bei Mercedes-Benz wegen Antriebsproblemen, die auf die Notwendigkeit von Sicherheitsmaßnahmen hinweist.
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Quellen: n-tv
Bildquelle: Bildquelle: Mateo Krossler auf Unsplash