Die jüngste Untersuchung von UNICEF hat in der Öffentlichkeit für reichlich Diskussionen gesorgt, insbesondere wegen der besorgniserregenden Leistungen deutscher 15-Jähriger im Bildungsbereich. Berichte weisen darauf hin, dass lediglich 60 Prozent dieser Altersgruppe die grundlegenden Anforderungen in Lesen und Mathematik erfüllen, was Deutschland auf einen enttäuschenden 34. Platz unter 41 Ländern zurückwirft. Diese Einschätzung wird als alarmierend wahrgenommen.
Die Berichterstattung stützt sich auf eine Pressemitteilung von UNICEF Deutschland, die Bezug auf eine internationale Vergleichsstudie des Forschungsinstituts Innocenti nimmt. Allerdings ist die Auslegung dieser Ergebnisse fehlerhaft.
In der Pressemitteilung ist ein Link zu einer achtseitigen Zusammenfassung der Studie sowie zum vollständigen Bericht in englischer Sprache enthalten. Auf Seite 32 des Originalberichts wird ein Ranking präsentiert, das die schulischen Fähigkeiten von 15-Jährigen in Lesen und Mathematik untersucht. Entgegen der ursprünglichen Berichterstattung belegt Deutschland nicht den 34. Platz, sondern den 20. Platz von insgesamt 43 Ländern, da 60 Prozent der Schüler die Mindestanforderungen erfüllen. Damit steht Deutschland im Mittelfeld und schneidet besser ab als Länder wie Schweden (59 Prozent, Platz 23), Norwegen (56 Prozent, Platz 27) und Island (50 Prozent, Platz 32). Der Spitzenreiter Südkorea erreicht mit 79 Prozent die höchste Quote.
In sozialen Netzwerken wird zudem die Behauptung aufgestellt, dass rund zwölf Prozent der deutschen Bevölkerung analphabetisch sind, wobei Migranten als ein möglicher Faktor dafür genannt werden.
In einem anderen Ranking, das ebenfalls in der Zusammenfassung der Studie zu finden ist, belegt Deutschland den 34. Platz von 41 Ländern. Diese Einstufung bezieht sich jedoch auf die Beurteilung der sozialen und schulischen Kompetenzen. Die Ergebnisse zeigen, dass 15-Jährige in Deutschland ihre Fähigkeit, Freundschaften zu schließen, im internationalen Vergleich als besonders gering einschätzen, nur schlechter schneiden Mexiko und Chile.
Auf Anfrage bestätigte die Pressestelle von UNICEF Deutschland, dass die fehlerhafte Platzierung in der Pressemitteilung auf eine „unklare Formulierung“ zurückzuführen sei. Die 34 beziehe sich nicht nur auf die Lese- und Mathematikfähigkeiten, sondern auf das Gesamtranking der akademischen und sozialen Kompetenzen. UNICEF bedauert die missverständliche Formulierung und hat die Informationen auf ihrer Webseite entsprechend korrigiert.
Die Mindestkompetenz in Mathematik und Lesen, die im Bildungsranking thematisiert wird, entspricht der Kompetenzstufe II des PISA-Vergleichstests 2022. Diese Stufe ist entscheidend, um aktiv an der modernen Gesellschaft teilzunehmen und geht über die grundlegende Alphabetisierung hinaus. Auch das Beherrschen der Grundrechenarten ist erforderlich.
Die fehlerhafte Pressemitteilung wurde in einigen Meinungsartikeln Zudem missinterpretiert, indem behauptet wurde, 40 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland seien nahezu Analphabeten und könnten die Grundrechenarten nicht beherrschen. Diese Schlussfolgerung ist jedoch irreführend. Wenn 60 Prozent der Schüler beide Tests bestehen, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die restlichen 40 Prozent in beiden Prüfungen durchfallen. Einige könnten den Mathematiktest bestanden haben, während andere im Lesetest erfolgreich waren.
Zusätzlich zeigt eine Analyse, dass Deutschland in einer weiteren Studie zur Bildungschancen nur den 25. Platz von 37 untersuchten Industrieländern einnimmt. Besonders auffällig ist die soziale Spaltung: Nur 46 Prozent der Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichen die grundlegenden Kompetenzen, während in privilegierten Familien dieser Wert bei 90 Prozent liegt. Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF, hebt hervor, dass Investitionen in Bildung und soziale Teilhabe für die Zukunft der Kinder von entscheidender Bedeutung sind.
Quellen: tagesschau, 40 Prozent der 15-Jährigen können kaum rechnen und lesen, Unicef-Studie: Vier von zehn Jugendlichen in Deutschland können kaum lesen
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