Bünde (NRW) – Wochenlang wurde Carsten B. (56), ein Geschäftsmann und CDU-Politiker, als Opfer einer hinterhältigen Erpressung mit Sex-Videos betrachtet. Eine Gruppe soll ihn mit belastenden Aufnahmen unter Druck gesetzt haben. Doch im Verlauf der Ermittlungen wendete sich das Blatt – der Mann befindet sich nun selbst als Beschuldigter in Untersuchungshaft.
Der Unternehmer ist laut seinem LinkedIn-Profil seit 25 Jahren Miteigentümer und Gesellschafter einer Autohaus-Kette, die 18 Standorte in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen betreibt. Zudem war B. für die CDU im Rat der Stadt Bünde im Kreis Herford aktiv. 2020 wurde er vom CDU-Stadtverband als Kandidat für die Kommunalwahl nominiert. Auf der Website der Partei wird er weiterhin als Mitglied eines Ausschusses aufgeführt.
Politiker soll bei Bordellbesuch gefilmt worden sein
Der Beginn des Falls erinnert an einen Kriminalroman – zu diesem Zeitpunkt galt Carsten B. noch als Opfer: Im März 2026 leitete die Staatsanwaltschaft Bielefeld Ermittlungen gegen vier Männer (24, 30, 33, 50) und eine Frau (21) ein. Der Vorwurf lautete: Sie hätten den Unternehmer erpresst. Die mutmaßliche Forderung belief sich auf einen mittleren sechsstelligen Betrag.
Unternehmer soll Frau sexuell genötigt haben
Nach Informationen soll B. während eines Bordellbesuchs gefilmt worden sein. Mit dem Videomaterial hätten die Täter ihn anschließend unter Druck gesetzt. Carsten B. wandte sich an die Polizei und erstattete Anzeige. Doch im Verlauf der Ermittlungen kamen offenbar ganz andere Details ans Licht, die sich gegen den CDU-Lokalpolitiker richteten. Ein neues Verfahren wurde auf Grundlage von Erkenntnissen aus dem zuvor geführten Erpressungsverfahren eingeleitet, so die Staatsanwaltschaft. „Gegenstand der gegen den Beschuldigten geführten Ermittlungen sind auch etwaige Zusammenhänge zum Prostitutionsgewerbe“, erklärte Pressesprecher Philipp Kalbertodt.
Die Staatsanwaltschaft bestätigte ein Verfahren „wegen des Verdachts einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung zum Nachteil einer erwachsenen Frau“. Nach Informationen werden Carsten B. zudem Delikte wie sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.
„Nichts strafrechtlich Relevantes vorzuwerfen“
Am 20. April durchsuchten Ermittler das Wohnhaus des Unternehmers in Bünde. Nur zwei Tage später erließ ein Richter Haftbefehl. B. wurde festgenommen und befindet sich nun in Untersuchungshaft in der JVA Bielefeld-Brackwede, da laut Staatsanwaltschaft Fluchtgefahr besteht.
Der CDU-Politiker wird in beiden Fällen unter anderem von dem renommierten Strafverteidiger Dr. Detlev Binder aus Bielefeld vertreten. Binder äußerte sich dazu: „Es gilt die Unschuldsvermutung. Mein Mandant hat sich nichts strafrechtlich Relevantes vorzuwerfen. Vielmehr ist er Opfer einer perfiden Erpressung geworden.“
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