Im Frühjahr 2026 schließt die beliebte Posthalle (Poha) am Würzburger Hauptbahnhof ihre Türen. Elf Studierende der Geovisualisierung an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) haben sich dieser Herausforderung gestellt und im Rahmen eines Semesterprojekts unter dem Motto „Die Posthalle ist tot. Es lebe die Posthalle!“ vielfältige und realitätsnahe Konzepte für die Nachnutzung entwickelt.
Einzigartiges Kulturzentrum vor dem Umzug
Die Posthalle ist mit jährlich bis zu 200 Veranstaltungen und einer Kapazität von bis zu 2.000 Besuchern ein unverzichtbarer Bestandteil der Würzburger Kulturszene. Um den Weiterbetrieb zu sichern, arbeiteten die Studierenden eng mit externen Partnern zusammen: Joachim Schulz, Betreiber der Posthalle seit 2008, lieferte wertvolle Einblicke in die logistischen Anforderungen, während Peter Wiegand und Uwe Kömpel vom Fachbereich Stadtplanung der Stadt Würzburg Expertise zu Infrastruktur und Stadtentwicklung einbrachten.
Vielfältige Standorte und Visionen
Die Aufgabe der Studierenden umfasste die Auswahl geeigneter Standorte und die Erstellung detaillierter städtebaulicher Konzepte, inklusive Visualisierungen, Skizzen und Renderings. Dabei wurden Aspekte wie Erreichbarkeit, Emissionsschutz, Rettungswege sowie Backstage-Bereiche, Anlieferung, Gastronomie und Sanitäranlagen berücksichtigt.
- Neuer Hafen als Zentrum: Fünf Entwürfe konzentrieren sich auf das Gelände des Neuen Hafens. Martin Rapps schlägt einen „Schmelztiegel“ auf dem Schrottplatz vor, während Justus Lippert den alten Kohlelagerplatz für eine Veranstaltungshalle nutzt und Bahnwaggons zu Cafés und Werkstätten umfunktioniert. Melanie Richter und Rebecca Ruttor konzipieren eine „Kulturinsel im Neuen Hafen“ mit Open-Air-Flächen und Freizeitangeboten, verbunden durch einen Fußgängersteg zur Zellerau. Lukas Roth sieht das leerstehende Baywa-Gebäude als neuen Standort für die „Poha 2.0“.
- Attraktive Alternativen: Der Bereich Ständerbühlstraße hinter dem Hauptbahnhof wird von Martin Wichmann und Christian Mandel als Standort für ein neu gestaltetes Gasometer mit Veranstaltungshalle und Gastronomie unter einer begrünten Glaskuppel vorgeschlagen. Lorenz Schroeter plant eine niedrig gehaltene „Poha 2.0“ mit Open-Air-Fläche und Foodtruck-Bereichen, während Marius Peter einen „Rockschuppen“ auf dem alten Bahnareal vorschlägt.
- Innovative Brückenlösungen: Philipp Watzke präsentiert mit „Poha am Main“ ein schnell realisierbares Konzept unter der Brücke der Deutschen Einheit, das eine winterfeste Halle mit flexiblen Open-Air-Bereichen kombiniert. Vanessa Göpf bringt eine leerstehende Halle der Firma Brose als weiteren potenziellen Standort ins Spiel.
Ausblick und politische Unterstützung
Die vorgestellten Konzepte wurden von den Stadtplanern Peter Wiegand und Uwe Kömpel als „spannend und inspirierend“ gelobt. Wiegand betont, dass solche Visionen die Weiterentwicklung vorantreiben. Er hebt hervor, dass die Stadt mit der Posthalle GmbH über eine Betreibergesellschaft, ein funktionierendes Konzept und einen etablierten Markt verfügt. Entscheidend sei nun der politische Wille, die Rahmenbedingungen für einen Weiterbetrieb zu schaffen. Dozent Stefan Sauer lobte die hohe Praxisnähe und die methodische Vielfalt der studentischen Arbeiten. Auf die Frage nach seinem persönlichen Favoriten nannte Hallenbetreiber Jojo Schulz ohne Zögern das „alte neue Gasometer“ als „cool und gut zu Würzburg passend“.
Die Entwürfe sind online unter https://geovisualisierung.com/microsite/posthalle einsehbar.