Die Bundesregierung hat eine Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Doch wie viel Geld sollte man tatsächlich für den Ruhestand ansparen? Die Antwort hängt stark davon ab, wann man mit dem Sparen beginnt.
Eine der zentralen Fragen, die sich viele Menschen im Laufe ihres Lebens stellen, ist: Werde ich im Alter finanziell abgesichert sein? Diese Überlegung ist entscheidend, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand aufrechterhalten zu können.
Wer auf die gesetzliche Rente angewiesen ist, sollte sich bewusst sein, dass diese in der Regel nicht ausreicht. Im Durchschnitt erhalten Rentnerinnen und Rentner etwa 1.100 Euro monatlich. Dies ist für viele nicht ausreichend, weshalb die Altersvorsorge in Deutschland auf einem Drei-Säulen-Modell basiert: gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Altersvorsorge.
Reform der privaten Altersvorsorge
Ende März wurde die dritte Säule, die private Altersvorsorge, reformiert. Künftig haben Sparer die Möglichkeit, ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot zu eröffnen, um Kapital am Markt anzulegen. Wer einen breit diversifizierten ETF-Sparplan für die Altersvorsorge einrichtet, kann deutlich höhere Renditen erzielen als mit einem herkömmlichen Sparplan auf einem Fest- oder Tagesgeldkonto.
Monatliche Sparbeträge nach Altersgruppen
Wie viel Geld sollte man monatlich sparen, um im Alter gut versorgt zu sein? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da sie stark von der individuellen Lebenssituation abhängt. Dennoch gibt es einige Richtlinien, die als Orientierung dienen können. Der Onlinebroker Freedom24 hat Empfehlungen für verschiedene Altersgruppen formuliert, basierend auf einem Renteneintrittsalter von 65 Jahren und einer angenommenen Jahresrendite von sieben Prozent für die Geldanlage in einen ETF-Sparplan.
Für 20- bis 30-Jährige
Diese Altersgruppe hat in der Regel ein geringeres Einkommen, jedoch auch viel Zeit bis zur Rente. Daher können sie Marktschwankungen besser verkraften. Dominik Mayr, Manager bei Freedom24, empfiehlt, in Aktien-ETFs zu investieren. „Bereits 100 bis 200 Euro pro Monat, die mit 22 Jahren angelegt werden, können bei einer jährlichen Rendite von sieben Prozent bis zum 65. Lebensjahr auf 47.000 bis 94.000 Euro anwachsen“, erläutert er.
Für 30- bis 40-Jährige
In dieser Lebensphase steigt in der Regel das Einkommen, jedoch auch die Ausgaben durch Familiengründung und Immobilienkäufe. Neben ETFs können auch Anleihen für Sparer in dieser Altersgruppe interessant sein. „Die selbstgenutzte Immobilie ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Altersvorsorge“, so Mayr. Daher sollte der Fokus zunächst auf der Tilgung von Hypotheken liegen, bevor größere Beträge gespart werden. Dennoch sollten 300 bis 500 Euro pro Monat als Mindestbetrag für den Rentenaufbau eingeplant werden.
Für 40- bis 50-Jährige
In dieser Lebensphase erreichen viele Menschen ihren beruflichen Höhepunkt und damit auch das höchste Gehalt. Wenn andere finanzielle Verpflichtungen wie Immobilienkredite bereits abbezahlt sind, sollte eine aggressive Sparquote in Betracht gezogen werden. „Dies ist die effektivste Phase für den Vermögensaufbau, insbesondere wenn in den Vorjahren nicht ausreichend gespart wurde. Hier sollten 70 bis 80 Prozent des Kapitals in Aktien investiert werden, wobei 600 bis 800 Euro monatlich als Minimum gelten“, erklärt Mayr. Auch Boni und Erbschaften sollten in die Altersvorsorge einfließen.
Berechnung der Rentenlücke
Wer frühzeitig mit dem Sparen beginnt, muss später weniger aufholen. Ab einem Alter von 50 Jahren sollten Sparer jedoch ernsthaft darüber nachdenken, wie viel Geld sie bis zur Rente benötigen werden. Eine Faustregel besagt, dass das Gesamtkapital dem 25-Fachen der jährlichen Ausgaben entsprechen sollte. Dabei ist es wichtig, auch die zu erwartende Rentenhöhe zu berücksichtigen, die im jährlichen Rentenbescheid der Deutschen Rentenversicherung oder online in der digitalen Rentenübersicht eingesehen werden kann.
Beispielrechnung
Ein Beispiel verdeutlicht dies: Eine Person lebt in einer selbstgenutzten Immobilie und hat keine Mietkosten. Die erwartete Rentenhöhe beträgt 1.200 Euro monatlich (netto). Um den aktuellen Lebensstandard zu halten, wären jedoch 2.500 Euro pro Monat erforderlich. Die Rentenlücke beträgt somit 1.300 Euro monatlich, was 15.600 Euro jährlich entspricht. Das 25-Fache dieser Summe ergibt 390.000 Euro, die bis zum Renteneintritt angespart werden sollten.
Wer bereits weitere Altersvorsorge-Bausteine wie betriebliche Renten hat, kann auch mit einem geringeren Kapitalstock kalkulieren.
Bildquelle: Willfried Wende auf Pexels
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