Hintergrund des Streits um Rockall
Der unbewohnte Felsen Rockall im Nordatlantik ist seit über fünf Jahrzehnten ein zentraler Streitpunkt zwischen dem Vereinigten Königreich, Irland, Dänemark und Island. Dieser kleine, isolierte Felsen wirft grundlegende Fragen auf, weshalb die genannten Staaten ein so starkes Interesse an ihm hegen. Die divergierenden Auffassungen Großbritanniens und Irlands sowie die Bestrebungen Dänemarks und Islands, die angrenzenden Gewässer für sich zu reklamieren, verdeutlichen die Komplexität der Angelegenheit. Darüber hinaus hat sich auch Greenpeace in diese Auseinandersetzung eingemischt und zeitweilig einen eigenen Staat auf Rockall proklamiert.
Was und wo ist Rockall?
Rockall wird erstmals auf einer portugiesischen Karte aus dem Jahr 1550 erwähnt, wo er unter dem Namen „Rochol“ verzeichnet ist. Der Ursprung des Namens ist umstritten. Es handelt sich um einen Vulkangipfel, der im Nordatlantik zwischen 17 und 21 Meter aus dem Wasser ragt und sich 354 Kilometer westlich der Äußeren Hebriden in Schottland sowie etwa 425 Kilometer von der irischen Küste entfernt befindet. Der Felsen hat eine Breite von 25 Metern und eine Länge von 30 Metern am Sockel. Aufgrund seiner Unbewohnbarkeit, insbesondere wegen der häufigen und extrem hohen Wellen, ist eine Besiedlung nahezu ausgeschlossen. Der Name „Rockall“ könnte von der gälischen Mythologie abgeleitet sein, in der „Rocabarra“ als bedeutender Felsen gilt, dessen Erscheinung das Ende der Welt symbolisiert. Eine andere mögliche Herkunft des Namens ist das gälische Wort „Roc-ail“, welches je nach Quelle „ganz Fels“ oder „brüllend“ bedeutet. Eine verlässliche Herkunft des Namens ist jedoch nicht dokumentiert.
Britische Annexion 1955
Die Geschichte von Rockall wird intensiver, als im 19. Jahrhundert, konkret seit 1811, britisches Interesse an dem Felsen aufkommt. Matrosen der Royal Navy erklimmen den Felsen, und zwanzig Jahre später wird seine Lage während einer militärischen Expedition vermessen. Die strategische Bedeutung von Rockall erhöht sich im Kontext des Kalten Krieges, da das Vereinigte Königreich befürchtet, die Sowjetunion könnte die Region ausspionieren, während es Atomwaffentests plant. Am 18. September 1955 wird Rockall durch das Hissen der britischen Flagge sowie das Anbringen einer Gedenktafel offiziell annektiert. Mit dem Island of Rockall Act von 1972 wird der Felsen Teil des Vereinigten Königreichs, insbesondere Schottlands, und erlangt den Status einer Insel. Dies ermöglicht Großbritannien, gemäß dem Seerechtsabkommen der Vereinten Nationen Ansprüche auf die umgebenden Gewässer zu erheben, in denen neben Fischbeständen auch Öl vermutet wird – zumindest theoretisch. Die britische Annexion von Rockall, die am 18. September 1955 vollzogen wurde, hat zu anhaltenden Spannungen in der Region beigetragen und die geopolitischen Beziehungen zwischen den betroffenen Ländern weiter verkompliziert.
Bildquelle: Von Anilocra at English Wikipedia – English Wikipedia Image:Rockall-photo.JPGUploaded to english wikipedia by user:Anilocra, who took the photo him/her-self, Copyrighted free use, Link