Politik
BND-Interesse an Adenauers Privatleben: Gerüchte um eine mögliche Vaterschaft
22.03.2026, 15:47 Uhr
Im Jahr 1954 begleitete eine junge Ärztin den damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer auf einer Reise nach Griechenland und in die Türkei. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es Gerüchte über ein mögliches Verhältnis zwischen dem zweifachen Witwer und der deutlich jüngeren Frau. Diese Spekulationen fanden offenbar auch das Interesse des Bundesnachrichtendienstes (BND).
Der BND hat sich intensiv mit dem Privatleben von Konrad Adenauer beschäftigt. Dies berichtet ein 13-seitiger Vermerk des Geheimdienstes vom 8. Februar 1961, in dem der Mitarbeiter Friedrich Decker aus dem BND-Büro in Bonn festhält, dass der Kanzler „ein Liebesverhältnis mit einer weit jüngeren Ärztin unterhalten“ habe. Laut dem Bericht sei die Medizinerin schwanger geworden, habe jedoch vor der Geburt einen anderen Mann geheiratet, der die Vaterschaft nicht angefochten habe.
Die betreffende Ärztin ist Dr. Roswitha Theile-Schlüter, die fast ein halbes Jahrhundert jünger als Adenauer war und die Tochter von Adenauers Nachbarn. Adenauer und Theile-Schlüter duzten sich, und sie begleitete ihn 1954 offiziell als Ärztin auf seiner Reise nach Griechenland und in die Türkei. Auch damals wurde bereits über eine mögliche Beziehung zwischen dem Kanzler und der jungen Frau gemunkelt.
Friedrich Decker beruft sich in seinem Vermerk auf einen Leibwächter Adenauers, den er befragte, da eine Sekretärin im Kanzleramt mit einem Agenten aus der DDR liiert war. Der BND wollte herausfinden, welche brisanten Informationen die Sekretärin möglicherweise nach Ost-Berlin hätte weitergeben können. Decker sprach von „explosiven Kenntnissen“.
Sigrid Schlüter, die Tochter von Roswitha Theile-Schlüter, hält die Behauptungen des BND für unbegründet. In einem Interview erklärte sie, dass Adenauer nicht ihr Vater gewesen sei. Ihre Mutter habe zudem rund 200 Briefe von Adenauer hinterlassen, deren Veröffentlichung geplant sei. In diesen Schreiben habe sich der Kanzler über seine persönlichen Empfindungen geäußert, was für sie nicht nach einer Liebesgeschichte klinge.
Konrad Adenauer war von 1949 bis 1963 der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und hatte von 1951 bis 1955 zusätzlich das Amt des Außenministers inne. Seine politische Laufbahn begann bereits im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, als er von 1917 bis 1933 als Mitglied der katholischen Zentrumspartei Oberbürgermeister von Köln war. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde er seiner Ämter enthoben und zeitweise inhaftiert.