Putin intensiviert Enteignungen von Oligarchen zur Stabilisierung des Haushalts
In Russland hat sich die Lage für Oligarchen mittlerweile drastisch verändert. Politische Loyalität allein gewährleistet nicht mehr den Erhalt von Unternehmensbesitz. Selbst enge Verbündete des Kremls sehen sich einer wachsenden Gefahr des Vermögensverlustes gegenüber. In den letzten Jahren ist eine umfassende Umverteilung des Reichtums zu beobachten, die an die Verhältnisse der 1990er Jahre erinnert.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion übernahmen viele Geschäftsleute einst staatliche Unternehmen und schufen damit eine wohlhabende Schicht von Oligarchen. Der Kreml hat nun begonnen, einige dieser Milliardäre ins Visier zu nehmen, was Fragen aufwirft, wer als Nächstes betroffen sein könnte.
Strategien der Enteignung
Der Kreml verfolgt einen klaren Ansatz, der die Einleitung von Strafverfahren gegen Oligarchen umfasst. Den Betroffenen werden Korruption, Privatisierungsirregularitäten oder Verstöße gegen nationale Sicherheitsinteressen vorgeworfen. In der Folge beschlagnahmen Gerichte Vermögenswerte, die häufig an staatsnahe Akteure oder Vertraute des Kremls weitergegeben werden. Dies dient nicht nur der Belohnung von Loyalität, sondern sendet auch ein unmissverständliches Signal: Selbst treue Milliardäre sind vor Enteignung nicht gefeit.
Die Ursachen für diese Entwicklungen sind vielfältig. Der Kreml benötigt dringend zusätzliche Finanzmittel zur Unterstützung seines Krieges in der Ukraine. Darüber hinaus soll die Umverteilung des Reichtums sicherstellen, dass dieser künftig noch stärker von politischer Loyalität abhängig ist.
Enteignungen aus politischen Motiven
Im System von Wladimir Putin sind politisch motivierte Enteignungen keine Neuerung. Zuvor traf es hauptsächlich Kritiker des Kremls, wie im Fall von Michail Chodorkowski, der 2003 verhaftet wurde, nachdem er sich gegen Putin ausgesprochen hatte. Chodorkowski wurde wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt, sein Unternehmen Jukos zerschlagen.
Doch inzwischen sind auch loyale Geschäftsleute betroffen, wie Vadim Moshkovich, der Gründer des Agrarkonzerns Rusagro. Im März 2025 wurde er festgenommen und wegen Betrugs angeklagt. Er befindet sich seitdem in Untersuchungshaft und muss sich von seinen Unternehmensanteilen trennen, während Vermögenswerte im Wert von mehreren Milliarden Dollar beschlagnahmt wurden.
Rechtsverfahren und hohe Summen
Seit 2022 hat die Generalstaatsanwaltschaft in Russland über 170 Verfahren zur Einziehung von Unternehmen und Vermögenswerten eingeleitet, mit einem Gesamtvolumen von mehr als 50 Milliarden Dollar. Besonders auffällig ist, dass fast die Hälfte dieser Summe im Jahr 2025 angefallen ist, was auf eine beschleunigte Entwicklung hinweist.
Ein weiterer Oligarch, Konstantin Strukov, musste sein Imperium aufgeben, nachdem ihm Korruption vorgeworfen wurde. Strukov, der über zwei Jahrzehnte hinweg enge Verbindungen zum Kreml hatte und 2021 von Putin für seine Verdienste ausgezeichnet wurde, steht nun vor den Trümmern seines Geschäfts.
Finanzielle Unterstützung des Staates
Angesichts der enormen Kosten des Ukraine-Kriegs bieten einige Oligarchen freiwillig hohe Geldbeträge an, um die Staatsfinanzen zu stabilisieren. Medienberichten zufolge hat der Milliardär Suleiman Kerimow, der seit fast 18 Jahren Senator ist, eine Spende von umgerechnet 100 Milliarden Rubel (etwa 1,1 Milliarden Euro) zugesagt. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies jedoch die Behauptung zurück, dass Putin die Oligarchen zu diesen Zahlungen gedrängt habe. Er betonte, dass die Unternehmer eigenständig Vorschläge gemacht hätten, um den Staat zu unterstützen.
Die gegenwärtige Situation verdeutlicht, dass die russische Elite unter starkem Druck steht und sich in einem ständigen Kampf um den Erhalt ihrer Vermögenswerte befindet. Enteignungen und die damit verbundene Umverteilung von Reichtum sind integrale Bestandteile einer umfassenden Strategie des Kremls, um die Kontrolle über die Wirtschaft zu intensivieren und die Loyalität der Oligarchen zu sichern.
Quellen: n-tv, Enteignungen in Russland: Jetzt geht Wladimir Putin seinen Oligarchen ans Geld | Politik, Reiche Russen sehen ihre Imperien zerfallen, weil Wladimir Putin ihr Vermögen beschlagnahmt