Die Bundesregierung beabsichtigt, das Wohngeld zu kürzen. Diese Entscheidung könnte dazu führen, dass rund ein Drittel der betroffenen Haushalte künftig ohne Unterstützung dastehen wird. Der Paritätische Wohlfahrtsverband äußert ernsthafte Bedenken, dass vor allem Familien und Alleinerziehende von einer Zunahme der Armut betroffen sein könnten.
Jasmin Roob, eine 39-jährige Sozialarbeiterin aus Stuttgart, sieht sich durch die geplanten Kürzungen in ihrer Existenz gefährdet. Mit ihren beiden Kindern, Din und Savannah, lebt sie in einem Mehrfamilienhaus am Stadtrand. Ihr monatliches Nettoeinkommen beträgt lediglich 1.700 Euro; angesichts der hohen Mietkosten von über 1.000 Euro inklusive Nebenkosten reicht dieses Geld nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Roob ist auf staatliche Hilfe angewiesen und hat bereits mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie stellt fest, dass viele Paare in ihrem Umfeld sich Gedanken darüber machen, ob sie sich ein weiteres Kind leisten können, da die Lebenshaltungskosten in Stuttgart enorm sind.
Das Institut der deutschen Wirtschaft hebt zudem hervor, dass es bedeutende regionale Unterschiede auf dem Wohnungsmarkt gibt, die die Situation zusätzlich erschweren.
Die geplanten Kürzungen beim Wohngeld sind umfassend: Verena Hubertz, die Bundesministerin für Bauen und Wohnen, schlägt Einsparungen von bis zu 1,5 Milliarden Euro bis 2028 vor. Schätzungen zufolge könnten im Jahr 2024 etwa 1,2 Millionen Haushalte ohne Wohngeld dastehen.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt eindringlich, dass die Kürzungen insbesondere Alleinerziehende und Familien mit Kindern hart treffen werden. Joachim Rock, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, weist darauf hin, dass 70 Prozent der Haushalte, die Wohngeld beziehen, Kinder haben. Der Wegfall des Wohngeldes könnte die Armutsquote in Deutschland erheblich erhöhen, insbesondere für Alleinerziehende, die bereits auf verschiedene Zuschüsse angewiesen sind.
Darüber hinaus könnten neben den Wohngeldkürzungen auch andere finanzielle Unterstützungen, wie etwa der Unterhaltsvorschuss, wegfallen. Rock betont, dass die Streichung des Sofortzuschusses von 25 Euro pro Kind und Monat die finanzielle Situation zahlreicher Familien weiter verschärfen würde. Er äußert Bedenken, dass die angestrebten Einsparungen im Bundeshaushalt tatsächlich umgesetzt werden können, da viele Menschen in die Grundsicherung abrutschen könnten, was letztendlich die Kosten für den Staat erhöhen würde.
Die Kritik an diesen Kürzungsplänen kommt nicht nur von Sozialverbänden, sondern auch von politischen Parteien wie den Linken und den Grünen, die der Bundesregierung Untätigkeit vorwerfen. Auch aus der CDU wird auf die Notwendigkeit einer Überprüfung der Maßnahmen hingewiesen.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert eine grundlegende Überarbeitung der Kürzungspläne. Rock argumentiert, dass die Einsparungen die falschen Gruppen treffen und die Bundesregierung stattdessen Maßnahmen zur Regulierung der Mietpreise sowie zur Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum ergreifen sollte. Ein Ausbau von öffentlichem und gemeinnützigem Wohnraum könnte langfristig die Wohngeldkosten senken und somit auch die erforderlichen Zuschüsse reduzieren. Rock fordert die Rücknahme der Kürzungspläne und betont die Notwendigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen für die Betroffenen.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband ist ein Dachverband, der zahlreiche gemeinnützige Organisationen vereint und sich für die Interessen von Menschen in benachteiligten Lebenslagen stark macht. Mit über 10.000 Mitgliedsorganisationen, darunter der Deutsche Kinderschutzbund, spielt der Verband eine bedeutende Rolle in der sozialen Landschaft Deutschlands.
Rückgang der Grundsicherung: Immer weniger Minderjährige in Deutschland betroffen
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Quellen: tagesschau, Die Zeit
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