An der Alten Försterei bricht eine neue Ära an: Der 1. FC Union Berlin schreibt Sportgeschichte und befördert Marie-Louise Eta zur ersten weiblichen Hauptverantwortlichen an der Seitenlinie eines Männer-Bundesligisten. Die Entscheidung fiel nach einem turbulenten Samstagabend, an dem die Vereinsführung die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Chefcoach Steffen Baumgart beendete. Gemeinsam mit Baumgart müssen auch die Co-Trainer Kevin McKenna und Danilo de Souza ihre Posten räumen.
Die sportliche Bilanz der vergangenen Monate ließ der Clubführung kaum einen anderen Spielraum. Lediglich zwei Erfolge konnten die Köpenicker in den 14 Partien seit dem Ende der Winterpause verbuchen. Union-Geschäftsführer Horst Heldt fand deutliche Worte zur aktuellen Lage: Die bisherige Rückserie sei schlichtweg unbefriedigend. Trotz der aktuellen Platzierung dürfe man die Gefahr nicht unterschätzen, da die Tabellensituation weiterhin instabil sei. Laut Heldt steht der Kampf um den Klassenerhalt an oberster Stelle, wofür zwingend weitere Zähler eingefahren werden müssen.
Marie-Louise Eta ist im Verein keine Unbekannte und verfügt über eine beeindruckende Vita. Die Inhaberin der UEFA-Pro-Lizenz kam im Sommer 2023 nach Berlin, wo sie zunächst als Assistentin bei den U19-Junioren tätig war. Später übernahm sie das Team von Marco Grote und führte den Nachwuchs ohne eine einzige Niederlage zum Staffelsieg in der DFB-Nachwuchsliga. Auch im Profibereich sammelte sie bereits wertvolle Erfahrungen, sowohl bei der Unterstützung der Männermannschaft im letztjährigen Abstiegskampf als auch als Individualtrainerin der Frauen, die sie zum Aufstieg in die zweite Bundesliga begleitete.
Für Eta ist das neue Engagement eine temporäre Herausforderung mit klar definiertem Ende. Wie Horst Heldt bestätigte, soll sie die Mannschaft interimistisch bis zum Ende der Spielzeit führen. Im Anschluss wird sie – wie bereits vor der aktuellen Krise festgelegt – im Sommer den Posten der Cheftrainerin des Frauenteams übernehmen. Die Trainerin selbst blickt der Aufgabe optimistisch entgegen. Sie betonte, dass der Klassenerhalt angesichts der engen Punktabstände im Tabellenkeller harte Arbeit erfordere, sie jedoch volles Vertrauen in den Zusammenhalt und die Qualität des Kaders habe.
Die Berufung Etas löste in der Fußballwelt eine Welle der Begeisterung aus. Nationalspielerin Sjoeke Nüsken bezeichnete den Schritt während eines DFB-Termins als hervorragendes Signal für den gesamten Sport. Die Chelsea-Akteurin, die gerade erst ihre eigene B-Lizenz anstrebt, sieht darin eine Inspiration für ihre eigene Zukunft. Auch für das Talent Jella Veit von Eintracht Frankfurt fungiert Eta nun als wegweisende Gallionsfigur für junge Frauen, die eine Trainerkarriere im professionellen Fußball anstreben. Mit diesem mutigen Personalentscheid festigt Union Berlin seinen Ruf als Verein, der bereit ist, verkrustete Strukturen im Profifußball aufzubrechen.
Bildquelle: Steffen Prößdorf via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
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