„Die Kliniken müssen jetzt genau schauen, was sich rechnet“,
erklärte Ingo Morell, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW). Diese Warnung kommt im Kontext der geplanten Gesundheitsreform, die möglicherweise gravierende Auswirkungen auf die Versorgung von Kindern und deren Eltern haben könnte.
Schließungen von Kinderstationen drohen
Die KGNW befürchtet, dass die Umsetzung der Reform zu einer Schließung von Geburtshilfen und Kinderstationen führen könnte. Laut Morell könnten die Kliniken bis zu acht Prozent ihrer Einnahmen verlieren. Derzeit kämpfen bereits 75 Prozent der Kliniken mit finanziellen Schwierigkeiten.
„Als erstes sind zum Beispiel Geburtshilfen und pädiatrische Abteilungen in Gefahr, wenn diese defizitär sind“, so Morell. Die wirtschaftliche Führung dieser Bereiche sei aufgrund des Fallpauschalensystems, das auf Menge ausgerichtet sei, äußerst schwierig. Viele Kliniken hätten bislang die Geburtshilfe durch andere Einnahmen subventioniert, was mit der Reform nicht mehr möglich sein wird.
Folgen für die Patientenversorgung
Morell warnte, dass die Wege zur nächsten Kinderklinik länger werden könnten. „Die meisten Kinderkliniken erleben starke saisonale Schwankungen. Im Herbst und Winter sind sie voll mit kleinen Patienten, die an Atemwegserkrankungen leiden, während sie im Sommer deutlich weniger ausgelastet sind“, erläuterte er. Die Vorhaltekosten blieben jedoch konstant, was die Schließung unrentabler Abteilungen zur Folge haben könnte.
Appell an die Bundesländer
Der KGNW-Präsident appellierte an die Bundesländer, die Reform von Gesundheitsministerin Nina Warken im Bundesrat zu stoppen.
„Wir erwarten von den Ländern, dass sie die dramatische Lage vieler Kliniken sehen und notwendige Änderungen an der Reform im Bundesrat durchsetzen“,
sagte Morell.
Hintergrund der finanziellen Probleme
Die gesetzliche Krankenversicherung steht vor enormen finanziellen Herausforderungen. Für das kommende Jahr wird ein Defizit von über 15 Milliarden Euro prognostiziert, das bis 2030 auf rund 40 Milliarden Euro ansteigen könnte. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Stabilisierung der Beitragssätze sieht daher massive Einschnitte sowie zusätzliche Kosten für Versicherte vor.
Die KGNW ist die größte Landes-Krankenhausgesellschaft in Deutschland und vertritt die Interessen von rund 320 bis 340 Krankenhäusern im bevölkerungsreichsten Bundesland. Auf Bundesebene ist sie der größte Mitgliedsverband der Deutschen Krankenhausgesellschaft.
Quellen: n-tv