„Das Erdbeben hat Japan um bis zu sechs Millimeter nach Osten verschoben“, so die Forscher.
Das Tōhoku-Erdbeben, das am 11. März 2011 den Nordosten Japans erschütterte, hatte verheerende Folgen. Über 20.000 Menschen verloren ihr Leben, und die Nuklearkatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi war die direkte Folge des starken Bebens. Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das gesamte Land durch das Erdbeben verschoben wurde.
Erdbeben und seine Auswirkungen
Das Beben, das eine Stärke von 9,0 auf der Magnituden-Momenten-Skala erreichte, gilt als das stärkste, das jemals in Japan registriert wurde. Der darauf folgende Tsunami überflutete mehr als 500 Quadratkilometer der Pazifikküste und führte zu mehreren Kernschmelzen im Atomkraftwerk Fukushima I, nachdem die Kühlsysteme versagten. Dies führte zur Freisetzung großer Mengen radioaktiver Stoffe.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Wissenschaftler der University of Chicago haben in einer Studie, die in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde, untersucht, wie Erdbebenwellen, die vom Erdkern reflektiert wurden, Bewegungen entlang der Grenzen tektonischer Platten auslösten. Die Ergebnisse zeigen, dass das betroffene Gebiet sich über rund 3000 Kilometer erstreckte, was es zum größten Bruchgebiet macht, das jemals nach einem einzelnen Ereignis registriert wurde.
Messungen und Simulationen
Das japanische Erdbeobachtungssystem Geonet, das Daten von 1.300 Stationen in Japan und globalen Navigationssatellitensystemen bezieht, zeichnete etwa 13 Minuten nach dem Hauptbeben die Ankunft von Transversalwellen auf. Diese Wellen hatten sich an der Grenze von Erdmantel und Erdkern reflektiert. Kurz darauf wurde festgestellt, dass größere Teile Japans einige Millimeter nach Osten verschoben wurden. Die Forscher geben an, dass die Verschiebung zwischen fünf und sechs Millimetern betrug.
Ursachen der Verschiebung
Die genaue Ursache für die Verschiebung ist noch nicht vollständig geklärt. Die Forscher vermuten, dass das starke Erdbeben die Reibung an den Bruchzonen in der Erdkruste verringert hat, was die ruckartige Verschiebung auslöste. Simulationen, die verschiedene Möglichkeiten von Rutschungen in 20 bis 60 Kilometern Tiefe untersuchten, zeigten, dass die Rutschungen nicht nur im Bereich des Epizentrums stattfanden, sondern entlang der Bruchzonen zwischen vier Erdplatten. Diese Erkenntnisse sind von großer Bedeutung für das Verständnis seismischer Gefahren.
Fazit und Ausblick
Die Forscher betonen, dass ihre Ergebnisse für den Umgang mit Erdbeben von großer Relevanz sind.
„Diese Beobachtung unterstreicht, wie wichtig es ist, diese bislang nicht erkannte Quelle seismischer Gefahren zu berücksichtigen, die von einer potenziellen (Re-)Aktivierung des Hauptbebengebiets und der umliegenden Region ausgeht – selbst noch mehr als zehn Minuten nach dem Hauptbeben“, heißt es in der Studie.
Quellen: n-tv
Bildquelle: Jeff Schmaltz, MODIS Rapid Response Team, NASA/GSFC via Wikimedia Commons (Public domain)