Nach der Blüte kommt das Ende: Millionen Hummeln verlieren ihr Leben für die Tomatenernte.
Hummeln spielen eine entscheidende Rolle bei der Bestäubung von Tomatenblüten in Gewächshäusern – für viele von ihnen endet dieser Einsatz jedoch tödlich.
Die kleinen Insekten sind gefragte und fleißige Arbeiter, die mit ihrer speziellen Vibrationsbestäubung selbst tief sitzende Pollen aus den Blüten der Tomatenpflanzen holen. Für Züchter ist dies von unschätzbarem Wert, doch die Tiere selbst zahlen oft den höchsten Preis.
Die Kritik an der Verwendung von Hummeln nimmt unter Tierschützern zu.
Hummeln sichern die Tomatenernte
Früher mussten Züchter ihre Pflanzen manuell schütteln, um die Bestäubung zu gewährleisten. Heute übernehmen gezüchtete Hummelvölker diese Aufgabe. Im Gewächshaus verlieren die Hummeln nicht die Orientierung und arbeiten bis zu 18 Stunden am Tag, wobei sie etwa 3000 Blüten anfliegen.
Seit den späten 1980er-Jahren werden Hummeln gezielt gezüchtet. Allein in Europa kommen jährlich mehr als eine Million Völker zum Einsatz. Nach Angaben der Tierschutzorganisation Peta, die sich auf Daten des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) stützt, wird der Großteil der weltweit produzierten Tomaten durch Hummeln bestäubt.
Kritik an Massenzucht und Medikamenteneinsatz
In der Regel wird die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) gezüchtet. Der Hummelexperte Harry Abraham äußert sich kritisch über die Haltung der Tiere:
„Hummeln gehen denselben Weg wie Honigbienen, die für menschliche Bedürfnisse immer weiter verzüchtet wurden.“
Er beschreibt die Bedingungen als katastrophal:
„Die Tiere stehen dort zu Tausenden gestapelt in Plastikboxen, werden mit Zuckerlösung gefüttert, damit sie heranwachsen und dann in alle Welt verschickt.“
Seiner Meinung nach hat dies mit ökologischen Standards nichts mehr zu tun. Zudem werden die Tiere mit Antibiotika behandelt, um die kurze Lebensdauer während ihres Einsatzes im Gewächshaus zu überstehen.
Was geschieht nach dem Einsatz?
In Großbritannien werden die Nester der Hummeln nach ihrer Arbeit häufig eingefroren oder verbrannt. Der Deutsche Tierschutzbund berichtet in der Publikation „Du und das Tier“, dass diese Praxis weit verbreitet ist.
„Häufig werden diese aus Kostengründen aber nicht kalt oder lange genug gekühlt. In diesen Fällen kommt es bei der anschließenden Entsorgung vor, dass Tiere aus der Kältestarre erwachen und dann entweder ersticken oder in den Plastiktüten verhungern.“
Ein deutscher Vertriebspartner widerspricht dieser Darstellung:
„Die Tiere leben ja ohnehin höchstens 23 Wochen, dann sterben sie von alleine.“
Hummelzüchter und Tomatenproduzenten äußerten sich auf Nachfrage kaum zu den Bedingungen, unter denen jährlich Millionen Hummeln für den Tomatenanbau eingesetzt werden.
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